Wenn Sie im Bereich der Weiterbildung und Personalentwicklung arbeiten, haben Sie wahrscheinlich schon viel über flipped learning gehört. Einfach ausgedrückt wird bei dieser Methode das Lernmaterial, das den Lernern bei normalen Schulungen von einem Trainer vermittelt wird, in ein neues Format gebracht und den Lernern außerhalb des Unterrichts zur Verfügung gestellt.

Dadurch wird Interaktionszeit frei, in der die Lerner gemeinsam mit den Trainern wichtige Themen vertiefen, Fähigkeiten üben und Wissen austauschen können. Außerdem wird das Lernen an sich individueller. Ihre Mitarbeiter erhalten mehr Kontrolle über das Was, Wann und Wie. Dadurch können die Lernmaterialien genau auf sie zugeschnitten werden und Ihr Unternehmen spart Hunderte von Stunden von verschwendeter Schulungszeit.

Klingt gut? Ist es auch! Aber ebenso wie bei allen anderen Lerntrends gibt es auch beim umgekehrten Unterricht viele Schulungsanbieter, die mit dem Strom schwimmen, ohne wirklich zu verstehen, worum es eigentlich geht. Damit Sie verstehen, wie umgekehrter Unterricht funktioniert und Sie gute von schlechten Anbietern unterscheiden können, haben wir 10 Punkte erstellt, über die jeder Schulungsmitarbeiter Bescheid wissen sollte. Lesen Sie weiter, um das ein oder andere Vorurteil über umgekehrten Unterricht aufzuklären und zu erfahren, wie Sie diese Methode sinnvoll anwenden können.

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1. Umgekehrter Unterricht ist kein selbstständiges Lernen online

Beim umgekehrten Unterricht geht es nicht darum, all Ihre Lernmaterialien in Online-Kurse zu packen, die dann von Ihren Mitarbeitern allein absolviert werden. Die Kontaktzeit mit einem Trainer ist wesentlich, damit die Lerner das Material, das sie sich vor dem Unterricht angesehen haben, umfassend verstehen können.

Gut organisierter umgekehrter Unterricht setzt auch auf Online-Kontakt zwischen den Lernern, beispielsweise in der Form von Foren oder gemeinsamen Projekten.

2. Umgekehrter Unterricht ersetzt Trainer nicht mit Videos

Der Trainer spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu traditionellen Kursen ist es aber nicht mehr seine Aufgabe Wissen zu vermitteln, sondern den Unterricht zu moderieren und den Lernern beim Üben und der Entwicklung ihrer Fähigkeiten zu helfen.

Eins der häufigsten Vorurteile über umgekehrten Unterricht ist, dass der Präsenzunterricht größtenteils durch Videos ersetzt wird. Ja natürlich, einige Materialien werden als Video bereitgestellt (mehr dazu weiter unten). Der Schwerpunkt liegt aber nicht auf diesen Videos.

Der Trainer spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu traditionellen Kursen ist es aber nicht mehr seine Aufgabe Wissen zu vermitteln, sondern den Unterricht zu moderieren und den Lernern beim Üben und der Entwicklung ihrer Fähigkeiten zu helfen. Für den umgekehrten Unterricht benötigen Sie nach wie vor fähige Trainer, nur eben wahrscheinlich weniger Unterrichtszeit.

3. Umgekehrter Unterricht ist mehr als nur gemischtes Lernen

Beim gemischten Lernen werden unterschiedliche digitale Lernmethoden mit traditionellem Präsenzunterricht vermischt. Auch beim umgekehrten Unterricht werden Online-Kurse mit Live-Unterricht kombiniert.

Dennoch hat er mehr als gemischtes Lernen zu bieten, denn er fördert das aktive Lernen. Beim umgekehrten Unterricht liegt der Schwerpunkt auf der Anwendung des Gelernten im Unterricht. Die Lerner und Trainer werden motiviert, sich während des Unterrichts genauer mit dem Material auseinanderzusetzen. Das bedeutet, dass Ihre Mitarbeiter sich darauf konzentrieren, benötigte Fähigkeiten zu üben.

4. Sie benötigen gut durchdachtes Vorbereitungsmaterial

Wie werden die Lerner motiviert, sich außerhalb des Unterrichts mit dem Lernmaterial zu beschäftigen? Wenn die Lerner nicht die Vorbereitungsaufgaben erledigen, wird der umgekehrte Unterricht unmöglich, da der Trainer die wertvolle Präsenzzeit verwenden muss, um alle, die sich nicht vorbereitet haben, auf das gleiche Niveau wie den Rest zu bringen.

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Glauben Sie aber nicht, dass es nur um schicke, teure Videos geht, wie es Sie Technologieunternehmen gerne glauben lassen möchten, die hochmoderne Produkte für die Inhaltserstellung verkaufen. Es stimmt, dass Videos ein nützlicher Bestandteil des umgekehrten Unterrichts sind und nachweislich das Lernergebnis verbessern. Aber die Lerner benötigen eine Vielzahl an Lernmöglichkeiten, die sie für das Material begeistern – und nicht einfach nur Videos. Und das Gute daran? Sobald die Schulungsmaterialien erstellt sind, können sie von unzähligen Mitarbeitern genutzt werden.

5. Werfen Sie Ihre PowerPoint Präsentation über Bord

Wir wissen, dass irgendwo irgendjemand viel Zeit, Mühe und Ressourcen in die bestehenden Schulungsmaterialien gesteckt hat. Und dieser Inhalt ist zweifelsohne ein guter Ausgangspunkt für die Entwicklung von Schulungen mit der umgekehrten Unterrichtsmethode.

Diese Materialien müssen aber zumindest neu verpackt werden, bevor Sie sie Ihren Lernern präsentieren können. Sehr wahrscheinlich werden Sie Ihre Lerner nicht für ein Thema begeistern können, wenn Sie aus einer PowerPoint Präsentation mit Voiceover ein langes, eintöniges Video machen.

6. Mobile, mundgerechte Lernblöcke sind der Schlüssel zum Erfolg

Welche Möglichkeiten gibt es also, um Ihre Lerner außerhalb des Unterrichts für die Materialien zu begeistern? Heutzutage ist es selbstverständlich, dass Schulungsmaterialien auf mobilen Geräten abrufbar sein sollten. Es ist auch sinnvoll, das Material in kleine mundgerechte Stücke zu unterteilen. Dies ist ein überzeugender Grund, weshalb lange PowerPoint Videos tabu sind.

Die Unterteilung des Materials ermöglicht es den Lernern, ihre Aktivitäten jederzeit und überall zu erledigen. Außerdem merken sie sich so den Inhalt besser.

7. Umgekehrter Unterricht fördert die Interaktion von Lernern und Trainern

Die Unterteilung des Materials ermöglicht es den Lernern, ihre Aktivitäten jederzeit und überall zu erledigen. Außerdem merken sie sich so den Inhalt besser.

Achtung: Wir reden hier NICHT davon, die Menge an teurem Präsenzunterricht zu vergrößern. Tatsächlich wird für umgekehrten Unterricht häufig weniger bezahlte Unterrichtszeit als bei traditionellen Schulungen benötigt.

Der Fokus liegt hier darauf, wie die gemeinsame Zeit genutzt wird. Es geht um Interaktion und nicht darum, einer passiven Lernergruppe Wissen zu vermitteln. Dadurch wird diese teure Unterrichtszeit (teuer in der Hinsicht, dass ein spezialisierter Trainer bezahlt werden muss und Ihre Mitarbeiter während des Unterrichts nicht produktiv arbeiten können) maximal genutzt. Die Lernenden nehmen an Aktivitäten teil, die Ihnen dabei helfen, das Gelernte in ihrem ganz persönlichen Kontext anzuwenden.

8. Umgekehrter Unterricht bietet Ihren Mitarbeitern mehr Selbstständigkeit

Umgekehrter Unterricht bietet Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich auf einen Bereich ihrer Wahl zu konzentrieren. Das ist nicht nur preiswert und zeitsparend, da die Mitarbeiter sich auf das konzentrieren können, was für sie am relevantesten und wichtigsten ist. Zudem kann das Lernen an einem beliebigen Ort geschehen. Die Teilnehmer können selbst entscheiden, wann und wo sie lernen möchten – und das ist ein wichtiger Unterschied zu traditionellen Schulungen.

9. Sie müssen Ihre Mitarbeiter vorbereiten

Umgekehrter Unterricht kann nur funktionieren, wenn die Lerner selbstständig lernen und aktiv am Unterricht teilnehmen. Lernen im eigenen Tempo, wann immer man Zeit hat, ist großartig. Wenn Ihre Mitarbeiter aber nicht motiviert sind, ist ihr Lerntempo möglicherweise sogar langsamer als bei herkömmlichen Schulungen.

Wenn Ihr Unternehmen jedoch ein Umfeld schafft, in dem das Lernen gefördert und belohnt wird, werden Ihre Lerner auch motiviert, ihre Schulungen abzuschließen.

10. Umgekehrter Unterricht ist effektiv und beschleunigt das Lernen

Umgekehrter Unterricht funktioniert. Er bietet Ihren Lernern Selbstständigkeit und motiviert sie auf einer ganz anderen Ebene als traditionelle Schulungen. Der Schwerpunkt liegt auf ihren Fähigkeiten statt nur auf Wissen. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter umfassender an ihrer eigenen Entwicklung teilhaben lassen, sind sie auch motivierter mehr zu lernen.