„Wer hat dafür schon Zeit?“ – eine der üblichsten Aussagen, wenn es um Aktivitäten außerhalb von Beruf und täglichen Verpflichtungen geht. Unser Alltag ist dominiert von Zeitdruck, überwältigender Sinnesüberflutung und randvollen Terminkalendern. Gleichzeitig wird der Rückzug in die eigenen vier Wände und „Abschalten“ immer relevanter. Wir haben gelernt, die Konsumierung menschlicher Interaktion selbst zu dosieren – digital, per Smartphones, die nahezu unser gesamtes Leben beinhalten. Social Media, Messaging Apps und sogar Online Dating erlauben es uns nach Feierabend Beziehungen zu knüpfen, alleine von der Couch aus. Dies gilt auch für Weiterbildung: der Trend geht zu eLearning, wobei jedoch – ganz gleich wie beim Online-Dating – per App echte menschliche Interaktion stattfinden muss, damit der Lernprozess erfolgreich wird.

Wir leben und lieben online, warum also nicht auch online lernen? Aktuellen Statistiken zufolge sind 41.5 Millionen Europäer auf Online-Dating Seiten angemeldet, 10.9 Prozent mehr als im Vorjahr. In den USA begannen 2017 bereits 39 Prozent aller heterosexuellen und 65 Prozent aller gleichgeschlechtlichen Beziehungen über Internet. Laut aktuellen Prognosen sollen sich bis 2040 70 Prozent aller Partner über Dating-Apps kennenlernen. Die Vorteile liegen auf der Hand: keiner muss sich nach Geschäftsschluss mehr in Bars aufhalten, Fahrtwege und Kosten in Kauf nehmen, um jemanden kennenzulernen. Online-Profile bieten alle wesentlichen technischen Features, um ein Date zu finden, das den wesentlichen Vorstellungen entspricht – Alter, Größe, Bildung, Hobbys und andere Match-Algorithmen sortieren die Auswahl vor, so dass die App nur relevante Kandidaten auswirft. Der erste Kontakt ist simpel und bequem – man muss sich nicht in Schale werfen und ein paar Stunden Zeit anberaumen – ein 20-minütiger Online-Chat, womöglich daheim in Hausschuhen und Pyjamas, liefert einen guten Eindruck davon, ob sich ein echtes Treffen überhaupt lohnt. Ist die Entfernung größer, können sich Dating-Interessierte dann per Skype oder FaceTime Anruf besser kennenlernen und ihr Beziehungspotential erforschen – in kurzen Zeitinkrementen, von jedem Ort aus.

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Kein Wunder also, dass viele Beziehung heute auf diese Weise beginnen, doch was in romantischen Aspekten unseres Lebens funktioniert, lässt sich bequem auch auf den Business- und Trainingsbereich übertragen, wenngleich eLearning weitaus neuer ist als Online-Dating. Seit langem wird von Lernern bemängelt, dass die Anreise zur Abendschule lästig und ermüdend ist, wer nach Anfahrtswegen im Berufsverkehr endlich im Klassenzimmer ankommt, ist meist ausgelaugt und kaum noch aufnahmefähig. Elektronisches Lernen, gerade im Bereich Fremdsprachentraining, schien zunächst die Antwort auf diese Herausforderungen zu sein – doch, ebenso wie beim Online-Dating, funktionieren Standardprogramme einfach nicht. Bleibt die menschliche Interaktion aus, ist das wie endloses Flirten per Text – irgendwann verschwinden Motivation und Attraktion zu Programmen, die nur auf Hörübungen und elektronischen Tests allein basieren.

„Blended Learning“ wurde geboren, und verwandelte das Konzept von eLearning komplett, da es den menschlichen Aspekt und echte Interaktionen mit virtuellen und digitalen Lernansätzen verbindet. Denn so sehr wir Bequemlichkeit lieben, im Grunde wollen wir beim Lernen – ebenso wie beim Dating – über authentische, reale Beziehungen unsere Bedürfnisse erfüllt sehen.

Tatsache ist: laut dem 2018 Worldplace Learning Report wollen 74 Prozent aller Angestellten in ihrer Freizeit lernen, 43 Prozent der Gen Z Generation, 42 Prozent der Millenials und 33 Prozent der Gen X und Baby Boomer möchten sich im eigenen Tempo und unabhängig weiterbilden. Für die meisten scheitert erfolgreiches Lernen am Zeitmangel – 58 Prozent der Gen Z, 63 Prozent der Millenials, 50 Prozent der Gen X und 37 Prozent der Baby Boomer geben an, sie würden sich gerne eine neue Fähigkeit aneignen, haben jedoch einen zu vollen Terminkalender.

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Lernen jederzeit und überall

Was Dating-Apps vormachten, funktioniert nun auch auf EdTech-Plattformen: ein individuelles Programm kann im Hinblick auf persönliche Vorlieben und Präferenzen „gematcht“ und zusammengestellt werden. Moderne Apps verfügen über Chatrooms, online Cafés und Communities, selbstgesteuerte Lernübungen, aber auch die Möglichkeit persönliche Anrufe oder Videokonferenzen mit einem echten Trainer zu buchen und persönliche Beziehungen aufzubauen. Gelernt wird in kleinen Zeitinkrementen und ortsunabhängig. Genau wie im Dating-Leben, wo man dem Flirtpartner in der Kaffeepause, auf dem Heimweg oder mitten in der Supermarktschlange schnell ein paar Nachrichten schicken kann, lassen sich dort Übungen und Lektionen absolvieren, samt elektronischem Feedback als Ad-Hoc-Gratifikation. Auch das Level des Engagements ist individuell skalierbar – je nach persönlichen Zielen und Zeitrahmen. Nicht jeder sucht den Partner fürs Leben – und in die Welt des Sprachenlernens übertragen, will nicht jeder auswandern oder eine Beziehung mit einem Fremdsprachler beginnen, sondern womöglich einfach nur das Business-Englisch auffrischen oder den E-Mail Austausch mit Kollegen im Ausland verbessern.Better Virtual Meetings

Unternehmen erkennen, dass sich Training problemlos in den Alltag integrieren lassen muss, um erfolgreich zu sein. Arbeitsausfälle aufgrund von Tagesseminaren und die Mitarbeiter zum Aufholen verpasster beruflicher Verpflichtungen, oft nach Feierabend, anzuregen, motiviert weder HR-Entscheider und Personalführer noch die Angestellten selbst zum Ausbauen ihrer Fähigkeiten. Zeitlücken sinnvoll nutzen und effektiv lernen macht jedoch ebenso Sinn und Spaß wie Dating von der Wohnzimmercouch aus anstatt in einer überfüllten Bar. 48 Prozent der Befragten des 2018 Worldplace Learning Reports wollen dort lernen, wo es gebraucht wird, weshalb auf den beruflichen Alltag zugeschnittene Programme den größten Erfolg versprechen.

Kennenlernen im Online-Dating Bereich erfolgt heute effektiver und umgekehrt von traditionellem Kennenlernen: Statt sich vorzustellen und dann die persönlichen Fakten und Charaktereigenschaften eines Kandidaten zu erforschen, lassen sich diese bereits beim Lesen eines Profils erkennen, die dann die Entscheidung des „Swipe“ zum Kennenlernen oder Ignorieren beeinflussen. Ähnlich sieht es mit der modernen, extrem erfolgreichen „Flipped Classroom“ Methodik im eLearning-Bereich aus, bei der Lerner sich auf den Unterricht mit Lektionen vorbereiten und diese dann mit dem Trainer anwenden.

Mobile Apps sind ein Muss

Mobile Apps steuern unser Leben, wir verbringen täglich zwischen drei und fünf Stunden an unserem Smartphone  – ganz gleich ob Online-Shopping, Nachrichtenschreiben mit Freunden und Bekannten, das Teilen von Fotos und Gedanken über Social Media, Online-Dating wie auch das unkomplizierte Abfragen von Webstats und Analysen im Beruf: je moderner und multifunktionaler die Anwendung auf dem Smartphone ist und je stärker sie sich individuellen Bedürfnissen anpasst,  umso beliebter ist deren Nutzung. EdTech-Unternehmen tun also gut daran, Ihre mobilen Apps weiter auszubauen und die komplette Nutzung von jedem Ort, zu jeder Zeit zu fördern.