Die Geschäftswelt ist globaler und vernetzter denn je, internationale Entsendungen nehmen rapide zu, vor allem durch den Einsatz von Kurzzeit-Expats mit Aufenthaltsdauer unter einem Jahr. Multinationale Unternehmen wünschen sich verbesserte, effektivere Workflows zwischen ihren Standorten. Dank Videokonferenzen, Instant Messaging und der zunehmenden Popularität von VR und Augmentierter Realität ist die Kommunikation zwar extrem zeitnah und persönlich, stellt die Arbeitskräfte jedoch vor neue Herausforderungen.

Nicht nur Sprachfähigkeiten werden damit unabdingbar, sondern auch Soft-Skills sowie interkulturelle Kenntnisse und Fähigkeiten. Fremde Sitten und Gebräuche können sowohl den Erfolg von Auslandsentsendungen gefährden wie auch die Kommunikation über Grenzen hinweg beinträchtigen, wenn mangelnde Vorbereitung auf Reise oder virtuelle Meetings zu peinlichen und unprofessionellen Situationen führen. Gabriela Weglowska, Skills-Expertin bei Learnlight und Interkulturalistin, betont in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit besseren Trainings: “Learning & Development Kunden, also Organisationen, die sich darum bemühen Zusammenarbeit, Teamwork und Management im Hinblick auf kulturelle Diversität zu verbessern, ziehen großen Nutzen aus interkulturellen Skills-Programmen. Diese Programme, in Übereinstimmung mit spezifischem Lernbedarf, helfen Lernern unter anderem ihre kulturelle Intelligenz im Allgemeinen zu verbessern, globale Teams effektiver zu leiten, über Kulturen hinweg Verhandlungen zu führen oder vor internationalem Publikum zu präsentieren.“

Die 7 Schlüsselfaktoren für globalen Business-Erfolg

Der richtige Umgang mit kulturellen Gepflogenheiten und Business-Etikette ist also ebenso relevant wie Sprachkenntnisse, zumal viele Länder ganz andere Sitten bei Meetings, Verhandlungen, aber besonders auch im virtuellen Business-Verkehr pflegen. HULT Business School definiert die sieben wichtigsten internationalen professionellen Fähigkeiten: interkulturelle Kommunikation, exzellentes Networking, Kollaboration, interpersonaler Einfluss, anpassungsfähiges Denken, emotionale Intelligenz und Widerstandsfähigkeit.

Interkulturelle Kommunikation – riskanter per E-Mail und Chat

Über andere Kulturen zu lernen, sie zu verstehen und Unterschiede zu schätzen, gehört ebenso zu effektiver internationaler Kommunikation wie aktives Zuhören. Gerade im schriftlichen Verkehr, über E-Mail oder Chat-Apps wie WhatsApp oder Skype for Business, aber auch bei Telefonkonferenzen kann es dabei schnell zu Missverständnissen kommen. Wer kulturelle Hintergründe und die feinen Nuancen von Sprache nicht versteht, kann gute Geschäftsbeziehungen leicht gefährden. Während geschäftliche E-Mails beispielsweise in Deutschland in der Regel sehr formal sind und man besser gleich zur Sache kommt, sollten im elektronischen Schriftverkehr mit anderen Ländern wie beispielsweise Frankreich höfliche Floskeln das eigentliche Anliegen umrahmen. In den USA wird hingegen derart viel über E-Mail konversiert, dass die Texte oft sogar ohne Anrede und Gruß am Ende gesendet werden, was andernorts schnell unfreundlich und brüsk wirkt. Vorsicht gilt natürlich auch bei der Anrede, gerade im Austausch mit asiatischen Kollegen, Kunden oder Geschäftspartnern – wenn nicht ersichtlich ist, was Vor- und Nachname ist, unbedingt nachfragen!

Kollaboration auf Distanz: Jeder muss gehört werden

Networking und Kollaborationen auf internationaler Ebene finden oft in virtuellen Teams über Videokonferenzen, Webinars und Chatrooms statt. Hier liegen die größten Herausforderungen darin, dass jeder zum Sprechen kommt und alle Meinungen auch wirklich gehört werden. Das Bewusstsein über Höflichkeitsregeln anderer Kulturen ist dabei extrem wichtig: wartet ein Teilnehmer aus Japan zurückhaltend auf Gesprächspausen und kommt deshalb nie zu Wort? Ist die Verbindung eines Teammitglieds in Indien langsamer, und zu schnelles Sprechen könnte zu Verständnisproblemen auf seiner Seite führen? Gerade der Moderator einer Gesprächsrunde sollte im Vorab sichergehen, dass jeder Teilnehmer Gelegenheit zum Sprechen erhält und sich auf seinen Beitrag vorbereiten kann. Auch hitzige Diskussionen müssen so gesteuert werden, dass die Teammitglieder nicht übereinander sprechen oder Meinungen übergangen werden. Die Chat-Funktion in den meisten Videokonferenzen kann dabei helfen Fragen zu sammeln, die dann vom Leiter der Diskussionsrunde vorgelesen und gemeinschaftlich beantwortet werden.

Kulturelle Kompetenz in Sales – vom Hard-Sell zur Einflussnahme

Aufeinander Einfluss nehmen ist ein weiterer wichtiger Aspekt in internationalen Kooperationen, wobei Vertrauen, Respekt und Verständnis essenziell sind, gerade im Umgang mit internationalen Kunden. Das Verständnis für kulturelle Eigenheiten und Anpassen an bestimmte Verhaltensregeln ist wichtig, um guten Rapport über die Grenzen hinweg aufzubauen. Verständnis beginnt mit Interesse für das Gegenüber sowie dessen Einstellungen und Gepflogenheiten, was am besten durch aktives Zuhören geübt wird. Besonders relevant ist die in Sales-Gesprächen: Fühlt der potenzielle Kunde, dass seine Bedürfnisse erkannt werden, ist offener Vorschläge zur Lösung anzunehmen. Der Hard-Sell wird so zur organischen Einflussnahme. Gerade wenn Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede ins Spiel kommen, möglicherweise sogar Verhandlungen auf Distanz geführt werden, ist  es schwerer Vertrauen aufzubauen. Diese Herausforderungen können nur durch Stärkung von Emotionaler Intelligenz und kulturelle Sensibilität gemeistert werden.

Emotionale Intelligenz – eine erlernte Fähigkeit

Emotionale Intelligenz bezeichnet per Definition ist die Fähigkeit eigene und fremde Gefühle zutreffend zu erkennen, zu verstehen und (konstruktiv) zu beeinflussen (positive Gefühle zu verstärken und negative Gefühle zu abzuschwächen). Damit ist sie Teil von Resilienz oder Widerstandsfähigkeit, also der Fähigkeit belastendem Stress widerstehen zu können. EI wurde zunächst 1990 von Salovey & Mayer definiert. Festgestellt wurde, dass sich Emotionen mit gezielten Strategien zur Lösung von Problemen einsetzen lassen (Mayer et al, 1990, S. 772-781). Zu diesen Strategien gehören: flexibles Planen, kreatives Denken, stimmungsgelenkte Aufmerksamkeit und Motivation. EI ist demnach nicht angeboren, sondern kann durch spezielle Skills-Programme erlernt und gefördert werden.

Gerade in internationalen geschäftlichen Situationen und bei eingeschränkten Kommunikationskanälen wie E-Mail, Telefon oder auch Videokonferenzen, ist es wichtig, sich seiner persönlichen interpersonalen Fähigkeiten bewusst zu sein. Gabriela Weglowska definiert dabei folgende Kriterien:

  • Beobachten, aktiv zuhören und Fragen stellen, wenn etwas unklar ist.
  • Auseinandersetzen mit Ambiguität, die gewöhnlich in interkulturellen Interaktionen präsent ist
  • Ausschalten von Vorurteilen, die wir alle besitzen, besonders wenn wir etwas erleben, was nicht ganz unserer eigenen Weltanschauung entspricht
  • Über Standardverhalten hinausgehen und stattdessen kulturell-informiert reagieren
  • sowie Anpassen des Kommunikationsstils

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Inklusivität: ein globaler Tanz mit allen Beteiligten

Eine der größten Hindernisse im Entwickeln verbesserter interkultureller Beziehungen in internationalen Unternehmen ist ein gängig gemachter Fehler, wie Weglowska betont: „Kulturelle Diversität wird oftmals mit Rasse zusammengeworfen. Oft glauben Organisationen, die global arbeiten oder internationale Angestellten haben, dass sie bereits kulturelle Kompetenz besitzen und automatisch von Innovation, Agilität und Erfolgen profitieren, die mit Diversität verbunden sind.“ Diversität ist aber nur ein Teil von Inkulsivität. Verna Myers, Inklusivitäts-Strategin und kulturelle Innovatorin, betont: “Diversität bedeutet zur Party eingeladen zu sein. Inklusivität bedeutet zum Tanz aufgefordert zu werden.“ Gabriela Weglowska betont in diesem Zusammenhang weiter: „wenn Unternehmen bei ihren Initiativen zu Diveristät & Inklusivität den kulturellen Aspekt übersehen, finden sie leicht auf einer vollen Party wieder, auf der aber nur die gleiche alte Gruppe tanzt.“

Wirkliche Inklusivität und umfassende interkulturelle Fähigkeiten in persönlicher wie auch elektronischer Kommunikation müssen erlernt, gefördert und praktiziert werden. Learnlight bietet derzeit seinen Kunden über 200 verschiedene Soft Skills und interkulturelle Kurse  an, mit denen sie ihre internationale Kompetenz entwickeln können. Die Programme lassen sich individuell gestalten und können virtuell oder in Präsenztraining vermittelt werden. Maßgeschneiderte Programme können als Teil interner Führungsstrategien gemeinsam mit unseren Skills-Beratern entwickelt werden. Für mehr Informationen zu interkulturellem Training stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Entwicklung von Softskills

Entwicklung von kritischen Kompetenzen für den Erfolg am modernen Arbeitsplatz