Chapô – Jeden Tag treffen wir Hunderte von Entscheidungen – nicht alle davon sind richtig. Als Menschen wird unser Entscheidungsprozess stark von unseren primären, angeborenen Vorurteilen beeinflusst, die sich in einer Parallelwelt zu unseren rationalen und logischen Denkprozessen abspielen. Unbewusste Voreingenommenheit am Arbeitsplatz ist weit verbreitet. Hier werden nämlich die getroffenen Entscheidungen von unserem Hintergrund, früheren Erfahrungen, gesellschaftlichen Stereotypen und kulturellem Kontext direkt beeinflusst, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Unbewusste Vorurteile am Arbeitsplatz

Jüngste Untersuchungen zeigen, dass unbewusste Voreingenommenheit in jedem Aspekt des modernen Arbeitsplatzes eine Rolle spielt – bei der Rekrutierung, der Mitarbeiterbindung, dem Leistungsmanagement, der Beförderung, den Kundenbeziehungen sowie der Zuweisung von Arbeitsaufgaben.

Es liegt in der Verantwortung der Führungskräfte, wie sich unbewusste Vorurteile auf den Einzelnen am Arbeitsplatz auswirken und welche Strategien und Taktiken zur Überwindung dieses Problems angewandt werden, um so jegliche Form von Diskriminierung zu vermeiden. Die Sensibilisierung für unbewusste Vorurteile wird inzwischen weithin als eine neue Art von Diversity-Training angesehen.

Aus geschäftlicher Sicht ist unbewusste Voreingenommenheit im Hinblick auf die Globalisierung und den Erfolg in der globalen Wirtschaft äußerst wichtig. Durch die Stärke der Vielfalt profitieren Unternehmen nämlich in Bezug auf Produktivität und Rentabilität.

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Wir müssen uns daher der unbewussten Voreingenommenheit bewusst sein, da diese einen erheblichen und weitreichenden Einfluss auf die Arbeitsumgebung und -kultur, auf die Interaktionen zwischen Mitarbeitern sowie auf Kundenbeziehungen hat. Es kann ein wichtiger versteckter Faktor bei der Frage sein, ob:

  • der beste Kandidat eine Stelle bekommt
  • dem geeignetsten Mitarbeiter die Verantwortung für ein wichtiges Projekt übertragen wird
  • eine Leistungsbeurteilung an Gehalts- und Bonuszahlungen angepasst wird
  • beförderungen aufgrund von Leistung oder Günstlingswirtschaft vergeben werden
  • kunden das Gefühl haben, dass sie einen guten Service erhalten haben

Unbewusste Voreingenommenheit ist am Arbeitsplatz weit verbreitet. Hier werden nämlich die getroffenen Entscheidungen von unserem Hintergrund, früheren Erfahrungen, gesellschaftlichen Stereotypen und kulturellem Kontext direkt beeinflusst, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

7 Arten von unbewussten Vorurteilen bei der Arbeit

Indem wir unser Bewusstsein für diese Arten von Vorurteilen und Diskriminierung schärfen, können wir sie überwinden, als Individuen selbstbewusster werden sowie unsere Fähigkeit stärken, gerechtere und fundierte Entscheidungen zu treffen.

1. Affinitätsverzerrung

Man spricht von Affinitätsverzerrung, wenn wir unbewusst Menschen bevorzugen, mit denen wir ähnliche Eigenschaften teilen. Dies geschieht, weil unser Gehirn sie als vertraut ansieht und einordnen kann. Wir alle möchten nämlich mit Menschen zusammen sein, mit denen wir uns identifizieren können.

Wenn jemand beispielsweise an der gleichen Universität studiert oder ähnliche Hobbys hat, ist es wahrscheinlicher, dass wir eine Affinität zu dieser Person entwickeln. Dies kann jedoch das Urteilsvermögen darüber trüben, welche Personen am geeignetsten für das Unternehmen sind. Es kann außerdem dazu führen, dass es weniger vielfältige Mitarbeiter gibt, was wiederum zu weniger kreativen Ansichten und Arbeitsansätzen führt.

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2. Attributionsverzerrung

Dies bezieht sich im Allgemeinen darauf, wie wir andere Menschen einschätzen; d.h. wie wir unsere eigenen Handlungen und die der anderen wahrnehmen. Gewöhnlich führen wir unsere eigenen Leistungen auf unsere Fähigkeiten und unsere Persönlichkeit und unsere Misserfolge auf äußere Faktoren zurück.

Diese Wahrnehmung kehrt sich jedoch oft um, wenn wir andere Menschen betrachten. Wenn sie bei etwas erfolgreich sind, neigen wir eher dazu, von Glück zu sprechen und schreiben deren Fehler vielmehr schlechten Fähigkeiten oder persönlichen Eigenschaften zu.

3. Schönheitsverzerrung

Aufgrund dieser Voreingenommenheit sind wir geneigt zu denken, dass die attraktivste Person auch die erfolgreichste sein wird. Wir alle achten auf das Erscheinungsbild anderer, denn das Aussehen ist wichtig, vor allem am Arbeitsplatz. Es ist ein Spiegelbild der Professionalität und des Selbstbewusstseins.

Es kann jedoch sein, dass wir andere unbewusst aufgrund ihrer körperlichen Eigenschaften unfair beurteilen und sogar diskriminieren. Der Grund hierfür kann eine unbewusste, stereotype Ansicht darüber sein, wie eine angemessene oder erfolgreiche Person aussehen sollte.

4. Bestätigungsfehler

Dies bezeichnet die Neigung, nach Belegen zu suchen, die unsere eigene Meinung untermauern, anstatt das Gesamtbild zu betrachten. Dies kann zu einer selektiven Betrachtung führen, d.h. wir übersehen andere Informationen und konzentrieren uns stattdessen auf Dinge, die unserer Sichtweise entsprechen.

Schönheitsverzerrung bedeutet, dass wir der Meinung sind, dass die attraktivste Person am erfolgreichsten sein wird.

Die meisten Menschen greifen unbewusst auf den Bestätigungsfehler zurück, weil sie die Bestätigung suchen, dass ihre anfängliche Einschätzung einer Person richtig ist. Wir tun es sogar, um andere unbewusste Vorurteile zu verstärken, deshalb ist es wichtig, sie in Schach zu halten und einer möglichen Diskriminierung entgegenzuwirken.

5. Geschlechtsbezogener Verzerrungseffekt

Dies ist nichts anderes als eine Vorliebe für ein bestimmtes Geschlecht und hat seinen Ursprung in einer tief sitzenden Überzeugung über Geschlechterrollen und Stereotypen. Dies kann dazu führen, dass wir uns unbewusst einer Person aufgrund ihres Geschlechts und der Eigenschaften, die wir damit verbinden, zuneigen.

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Ein geschlechtsbezogener Verzerrungseffekt tritt auf, weil wir Menschen bevorzugen, zu denen wir eine Beziehung aufbauen können, insbesondere solche des gleichen Geschlechts. Wir bauen leichter eine Beziehung zu ihnen auf, weil wir gemeinsame geschlechtsspezifische körperliche und emotionale Erfahrungen teilen.

6. Halo-Effekt

Dies tritt dann ein, wenn unser Fokus auf einer besonders beeindruckenden Eigenschaft einer Person liegt. Dies führt dazu, dass bei der Betrachtung einer Person ein „Heiligenschein“-Effekt auftritt. So glauben wir, dass sie „perfekter“ ist, als es tatsächlich der Fall ist.

Ähnlich wie bei Affinität und Bestätigungsfehler führt dies dazu, dass wir andere Informationen übersehen. Es verzerrt zudem unsere Meinung über andere Aspekte der Person, insbesondere negative.

Ein geschlechtsbezogener Verzerrungseffekt tritt auf, weil wir Menschen bevorzugen, zu denen wir eine Beziehung aufbauen können, insbesondere zu solchen des gleichen Geschlechts.

7. Horn Effekt

Es handelt sich hier um das Gegenteil des Halo-Effekts: wir konzentrieren uns auf ein besonders negatives Merkmal einer Person, was unseren Blick auf deren andere Eigenschaften trübt. Man sollte sich stets vor Augen halten, dass ein Fehler oder Makel nicht die Person als Ganzes repräsentiert und sie daher nicht diskrimieren.

Strategien, um unbewussten Vorurteilen am Arbeitsplatz entgegenzuwirken

Die Vermeidung unbewusster Voreingenommenheit am Arbeitsplatz ist von entscheidender Bedeutung, da sie zu unfairen, ungenauen Beurteilungen, übersehenen Talenten oder sogar Diskriminierung führen kann. Der erste Schritt ist einfach – „das Unbewusste bewusst machen“.

Nach Ansicht von Berkshire Associates sind folgende Arbeitsplatzstrategien ein guter Anfang:

  1. Fördern Sie die Diskussion über Vorurteile am Arbeitsplatz. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt, und sie ist der Schlüssel. Wir müssen zugeben, dass es solche Vorurteile gibt, bevor wir das Problem angehen können.
  2. Seien Sie sich der Auswirkungen bewusst, die diese Vorurteile auf die Entscheidungsfindung innerhalb des Unternehmens haben können. Sprechen Sie auch darüber, wie solche Vorurteile den Fortschritt bei der Erreichung der Unternehmensziele eventuell behindern können.
  3. Befragen Sie Mitarbeiter zu ihren Erfahrungen mit unbewussten Vorurteilen sowie zu versteckten Hürden, die innerhalb des Unternehmens bestehen können. Erarbeiten Sie auf der Grundlage dieser Erkenntnisse maßgeschneiderte Fortbildungen und Maßnahmen.
  4. Implementieren Sie Richtlinien und Praktiken, die sicherstellen, dass unbewusste Vorurteile nicht die Bemühungen um die Entwicklung eines inklusiven und vielfältigen Arbeitsplatzes behindern.

Und denken Sie daran: Vorurteile sind nicht schlecht – sie sind schlicht Teil der menschlichen Natur. Indem wir die verschiedenen Arten unbewusster Voreingenommenheit, die uns allen inne ist, einräumen, können wir beginnen, uns damit zu beschäftigen und zu vermitteln.